Fernwärmeausbau: Die Zukunft erfordert Geduld und Flexibilität

Im Sommer gibt es besonders viele Baustellen in der Region. Viele davon dienen dem Ausbau der Fernwärme und werden von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) umgesetzt. „Die kommunalen Wärmeplanungen unserer Gesellschafterstädte sehen die Fernwärme als Heiztechnologie Nummer eins vor – weshalb wir als Stadtwerk hier klar in der Pflicht stehen“, erläutert SWLB-Geschäftsführer Johannes Rager. In der Tat sind die Fernwärmenetze der SWLB in den letzten Jahren auf eine Länge von rund 86 Kilometern gewachsen, auf lange Sicht sollen sie bedarfsorientiert deutlich weiter ausgebaut werden. Was noch so einiges an Bautätigkeit erfordert: „Es ist uns vollkommen klar, dass Baustellen weder bei Verkehrsteilnehmern noch bei Anwohnern auf Begeisterung stoßen. Man muss aber auch die positive Seite sehen: Mit Blick auf ihre Zukunftsfähigkeit erfährt die Region dadurch ein notwendiges und klimafreundliches Upgrade“, ordnet Rager ein. Zudem sei es unabdingbar, Infrastrukturen vorausschauend instand zu halten.

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht ergänzt: „Mir ist bewusst, dass Baustellen oft Geduld verlangen und im Alltag manchmal auch Nerven kosten. Dabei nehme ich die Sorgen von Anwohnerinnen und Anwohnern, aber auch von Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbetreibenden sehr ernst. Gerade für Betriebe in den betroffenen Bereichen können Einschränkungen durch Baustellen eine zusätzliche Herausforderung sein. Deshalb habe ich großes Verständnis dafür, dass die damit verbundenen Einschränkungen für viele Menschen eine tägliche Belastung darstellen. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, wofür diese Maßnahmen stehen: Wir investieren heute in eine moderne, zuverlässige Infrastruktur für morgen. Der Ausbau der Fernwärme und die Erneuerung unserer Leitungsnetze sind wichtige Bausteine für die Zukunftsfähigkeit Ludwigsburgs. Unser Ziel ist es, die unvermeidbaren Belastungen so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig langfristig die Lebensqualität und Versorgungssicherheit unserer Stadt zu stärken.“

„Um die Eingriffe ins Stadtleben möglichst gering zu halten, legen wir viele Baumaßnahmen ganz bewusst in die Sommerferien: Es fahren keine Schulbusse, die meisten Pendler haben zumindest zeitweise Urlaub und der Umstieg aufs Fahrrad fällt auch leichter als in den Wintermonaten“, erläutert Stefan Seele, SWLB-Bereichsleiter Wärme und Erzeugung. Zudem stimme man alle planmäßigen Baumaßnahmen konsequent mit den Städten ab. Ein Paradebeispiel seien die bald beginnenden Arbeiten in der Ludwigsburger Richard -Wagner-Straße: „Während die Stadt den Kanal saniert, verlegen wir neue Fernwärmehauptleitungen und tauschen gleichzeitig in die Jahre gekommene Gas-, Wasser- und Stromleitungen aus“, berichtet Seele. Um Bautätigkeiten minimalinvasiv zu halten, bedürfe es aber nicht nur der Koordination mit den Städten, sondern auch mit Verkehrsbetrieben und weiteren Beteiligten.

Aber auch der fortschreitende Fernwärmeausbau muss detailliert geplant werden: „Es geht bei der Trassenplanung nicht nur darum, möglichst viele Haushalte an unsere Netze anzuschließen, sondern auch darum, den Transport der Wärme von den Erzeugungsanlagen zu den Abnehmern zu gewährleisten, sagt Seele. Hier gelte es zum einen, technische Faktoren wie die Netzhydraulik zu beachten, zum anderen müsse man aber auch den verkehrlichen Gegebenheiten Rechnung tragen. „In Kornwestheim stellt vor allem die vielbefahrene Stuttgarter Straße eine kritische Schwelle dar, die, so wie aktuell am Kreisel zur Lindenstraße, gezielt und mit möglichst wenig Beeinträchtigungen gekreuzt werden muss. Und in Ludwigsburg liegen die meisten Erzeugungsanlagen westlich der Bahnlinie, die Wärme muss aber auch in die Mitte und in den Osten der Stadt gelangen. Weshalb wir derzeit am Schillerdurchlass an einer dritten Querung der Gleise arbeiten, die konkret darauf abzielt, das Biomethan-Blockheizkraftwerk im Gewerbegebiet Waldäcker III besser anzubinden“, so Seele.

Trotz aller Voraussicht laufe aber nicht immer alles so wie geplant – wie sich zurzeit in der Ludwigsburger Schillerstraße zeigt: „Während der Grabungsarbeiten am Schillerplatz sind wir auf alte Asbestleitungen und in den Plänen nicht verzeichnete Stromkabel gestoßen, außerdem gab es im Untergrund weitaus mehr Beton und Fels, als unsere Bodenproben erwarten ließen. Entwicklungen dieser Art erfordern sachgerechte Reaktionen, die einen zeitlichen Verzug nach sich ziehen können“, erklärt Seele. Um dies möglichst zu vermeiden, müsse flexibel gegengesteuert und teilweise auch auf Sicht gefahren werden. Wird eine Bauphase auch um nur eine Woche verschoben, bedarf es einer neuen verkehrsrechtlichen Anordnung: „Die Verkehrsbehörden der Städte müssen dies in die Gesamtsituation einordnen und gegebenenfalls auch bereits angeordnete Umleitungsstrecken neu festlegen – was verständlicherweise auch nicht von heute auf morgen geht“, so Seele weiter.

„Baustellen sind eine komplexe Angelegenheit, die auch Überraschungen bereithalten können – weshalb sie Flexibilität und Geduld erfordern. Sie sind aber beileibe kein Selbstzweck, sondern ein unverzichtbares Instrument auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Region mit Mehrwert und hoher Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger“, so das Fazit von SWLB-Geschäftsführer Johannes Rager.

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